Vancouver Island: Eine Hauptstadt, coole Surfer und mit Captain Bruce zu den Walen

CANUSA unterwegs: Nico macht die kleine Vancouver-Island-Runde
Auf nach Vancouver Island

Eine Fahrt durch den Evergreen State zu den 172 San Juan Islands, eine enge Gasse in Victoria und energielose Stunden im Paradies der Surfer: Auch wenn man nur fünf Tage Zeit für eine Runde ab Vancouver hat, bekommt man einiges zu sehen. Genau das stellt Nico Schröder, Lektor bei CANUSA, fest, als er zusammen mit seiner Frau einen Kurztrip unternimmt. Nicht nur die vielen Inseln und Küsten sind zu erkunden, auch Victoria, die Hauptstadt British Columbias, hat etwas zu bieten. Und nahezu am Ende der Welt, in Tofino – besser gesagt: vor Tofino, warten unvergessliche Begegnungen auf sie: Mit Captain Bruce geht es zu den Walen!

Mitarbeiter Nico in heimischer Umgebung
"Vancouver Island ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Selbst wenn man nur wenig Zeit hat, lohnt sich von Vancouver aus ein kleiner Abstecher. Und eines ist sicher: Wer einmal dort war, der kommt garantiert wieder."
Nico Schröder

Lektor bei CANUSA in Hamburg

Drei Tage nach unserer Ankunft reißen wir uns von dem perfekten Fleckchen Erde namens Vancouver los und brechen mit dem tags zuvor problemlos von Alamo übernommenen Mietwagen in Richtung Süden auf. Zum Glück kennt sich mein Handy in der Gegend aus, sodass wir zum Teil durch recht entlegene Wohngebiete schließlich auf den richtigen Highway gelangen und uns alsbald in Blaine am Grenzübergang zu den USA befinden, wo wir innerhalb einer knappen Stunde zu neuen Stempeln in unseren Reisepässen kommen. Weiter geht’s nach Bellingham. Und dann wird die Szenerie sehr schön, denn die Strecke führt uns nun durch eine Gegend, die so ist, wie man sich Washington State vorstellt: grün. „The Evergreen State“ ist passenderweise auch sein Spitzname.

FRIDAY HARBOR – auf einer von 172 inseln

Auf dem Highway 11 umrunden wir die Samish Bay und legen einen kleinen Halt im Larrabee State Park ein. Von all den Wanderwegen und Aussichtspunkten haben wir auf die Schnelle natürlich nichts, aber dennoch genießen wir die frische, würzige Luft, die Ausblicke auf Felsen und Inseln, die sich mystisch im Dunst abzeichnen, pflücken ein paar Brombeeren und fahren entspannt weiter nach Anacortes. Von hier wollen wir mit der Fähre in den Archipel der San Juan Islands eintauchen. Ungünstigerweise sehen wir gewissermaßen nur noch die Rücklichter des 14-Uhr-Schiffes nach Friday Harbor, aber macht nichts, wir sind ja im Urlaub und gehen entsprechend entspannt mit der Situation um, indem wir uns erst mal einen Cheesecake im Fährterminal gönnen.

Nach einigem Warten können wir dann endlich in See stechen. Und das Warten bringt auch Vorteile mit sich, weil das Licht die vielen Eilande nun in eine ganz besondere Stimmung taucht. Gemächlich tuckert das Schiff durch eine Landschaft, die mich ein bisschen an skandinavische Fjorde erinnert – aber doch irgendwie ganz anders ist. Hin und wieder taucht eine Robbe auf und verschwindet gleich wieder. Die Orcas, die es hier zweifelsohne gibt, bleiben unseren Augen allerdings verborgen. Links und rechts ist stets das Ufer zu sehen, hier und da gibt es Holzhäuser zwischen den Bäumen, ab und an lässt sich ein kleiner Hafen ausmachen. Alles scheint hier der Welt ein wenig entrückt zu sein. Nach etwas mehr als einer Stunde kommt dann Friday Harbor in Sicht, der Ort, an dem unser heutiges Bett steht.

Wie praktisch, wir brauchen nur von der Fähre fahren und können uns quasi bis zum Hotel ausrollen lassen, so nah ist es. Es handelt sich um das im Frühjahr 2011 eröffnete The Island Inn at 123 West. Uns haben es die „Eurostyle Guestrooms“ angetan, die sehr angenehm sind: modern, hell und mit einer Dusche, in der eine Fußballmannschaft Platz fände. Das Haus liegt direkt im Hafen und bietet auch Zimmer mit Blick auf selbigen. Unser Zimmer zählt allerdings nicht dazu, was aber nicht weiter schlimm ist, denn jeweils drei Zimmer haben einen gemeinsamen Aufenthaltsraum mit Sofa, Tischen, Teekocher und allem Pipapo.

Zum Abendessen stolpern wir, nachdem wir das kleine Friday Harbor und vor allem den netten Jachthafen erkundet haben, direkt ins gegenüberliegende The Place. Eine Adresse, die man sich merken sollte. Nicht ganz billig, aber das, was einem geboten wird, ist tadellos und seinen Preis wert. Nach dem Motto „Support the Locals“ gibt’s zum Essen einen Gewürztraminer aus Oregon und hinterher einen Himbeerwein von Lopez Island, einer der San Juan Islands. So kann es gerne morgen in Victoria auf Vancouver Island weitergehen. Da es nur eine Fähre um kurz vor zehn gibt, bleibt es einstweilen in Sachen San Juan Islands für uns nur bei einer Stippvisite. Allerdings notiere ich mir gleich auf meiner Reiseliste, irgendwann mal mit ein bisschen mehr Zeit im Gepäck zurückzukehren, um auch ein paar der anderen 172 Inseln in Augenschein zu nehmen.
 

Victoria: Schöne Ausblicke, enge Gassen

Dem noch nicht ganz abgeklungenen Jetlag sei Dank sind wir auch an diesem Morgen recht früh auf den Beinen, sodass wir vor Abfahrt der Fähre um Viertel vor zehn noch Zeit haben, entspannt das Ticket für die Passage zu kaufen und in einem kleinen urigen Coffeeshop zwischen einigen Freaks ein angenehmes Frühstück einzunehmen. So langsam gewöhnt man sich auch wieder daran, wie freundlich und kumpelhaft man hier von den Leuten empfangen und bedient wird. Vielleicht fällt das auch umso mehr auf, weil am Grenzübergang gestern vor allem professionelle Nichtlächler beschäftigt waren. Dann geht es mit der Fähre zwischen unzähligen Inselchen, versteckten Buchten und mit einem tollen Blick auf die fern im Dunst aufragenden Berge auf die Fahrt in Richtung Sidney. Unterwegs haben wir immer wieder den Eindruck, einen Seelöwen oder gar einen Orca gesehen zu haben. Und zweimal war da doch wirklich etwas, oder? Es lohnt sich in jedem Falle, genau hinzuschauen. Aber die Locals, die hier jeden Tag pendeln, holen eher ihre Puzzles, Scrabbles oder Kartenspiele heraus. Das kann ja auch schön sein. In Sidney geht’s dann mit der Einreise nach Kanada ganz schnell, ebenso die Fahrt nach Victoria, die Hauptstadt von British Columbia. 

Dort steuern wir erst einmal unser Hotel an, das zentral liegt und jüngst mit neuen Mobiliar ausgestattet wurde. Unser Zimmer befindet sich im vierten Stock, ist riesig und hat einen Blick auf die City Hall. Nachdem das Auto auf dem kostenfreien Hotelparkplatz verstaut ist, spazieren wir aufs Geratewohl in Richtung Hafen und lassen uns durch die lebhafte Stadt treiben. Viele Läden, Cafés und Restaurants von Victoria verlocken uns, doch wir bleiben zunächst stur und laufen weiter, bis auch schon das berühmte Fairmont Hotel Empress in Sichtweite kommt. Seit hundert Jahren steht dieser efeuberankte Palast hier am Hafen – und die Queen war selbstverständlich auch schon da. Wir ergattern beim Durchqueren der Lobby einen Hauch des britischen Flairs, schlendern dann aber weiter zum Parlamentsgebäude, das gleich nebenan steht und in Sachen Großartigkeit versucht mitzuhalten. All das spielt sich zwischen unzähligen farbenprächtigen Blumenbeeten ab. Überhaupt scheint sich ganz Victoria auf einen Wettstreit um den Titel der blumenfreundlichsten Stadt vorzubereiten.


MEINE EMPFEHLUNG FÜR EIN BESONDERES WOHNERLEBNIS: 

Luxushotel im Herzen Victorias:
Wer luxuriös nächtigen möchte, ist mit diesem Fünf-Sterne-Hotel bestens bedient. Zentral und in perfekter Lage:

Das The Fairmont Empress thront majestätisch im glamourösen Inner Harbour von Victoria, inmitten des Kunst-, Unterhaltungs- und Kulturzentrums der Stadt. Dieses Resort auf Vancouver Island befindet sich in der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia und bezaubert seine Besucher mit seiner Architektur der Jahrhundertwende, seiner klassischen Schönheit und seiner einzigartigen Lage am Wasser.


Das Museum of British Columbia lassen wir, allen Empfehlungen unserer Reiseführer zum Trotz, links liegen und geben dem Beacon Hill Park den Vorzug. Zum einen kommt die Sonne gerade heraus, zum anderen lockt der Park – übrigens auch von den Reiseführern empfohlen – mit grandiosen Ausblicken auf die Strait of Georgia und das am Horizont liegende Ufer von Washington State.

Im Park, den man erst durchqueren muss, laufen Pfauen herum, es gibt nette Ententeiche und sogar einen kleinen Zoo. Aber dann kommt das Ufer. Dort kann man zu den Stränden herabsteigen oder aber oben auf einer der diversen Bänke sitzen bleiben – was unsere Wahl ist. Der Blick ist wirklich grandios, man kann sich gar nicht sattsehen. Und im Stillen keimt da noch immer die Hoffnung, zufällig da draußen irgendwo eine Orcaflosse zu entdecken. Aber das passiert natürlich nicht. Dennoch starren wir geraume Zeit hinüber zu den Silhouetten der Berge des Olympic National Parks. Dann kehren wir der Natur den Rücken zu und lassen uns doch noch von den diversen Läden, Coffeeshops und Restaurants in Victoria einfangen.

Insbesondere zwei Läden haben es uns angetan – als Erstes kommen wir an der Rocky Mountain Chocolate Factory  nicht vorbei – der Laden zieht uns mit unerklärlichen Kräften an. Der kleine Shop bietet eine feine Auswahl an Pralinen, selbstverständlich mit obligatorisch kanadischen Füllungen, zum Beispiel Ahorn.


Wir schnuppern uns durch die Regale und liebäugeln mit der einen oder anderen Köstlichkeit, dann verlassen wir das Geschäft, um wenige Schritte später diagonal gegenüber in die Munro’s Books zu stolpern. Diese in einem wunderbaren neoklassizistischen Gebäude untergebrachte Buchhandlung ist schon rein optisch ein Genuss. Hat man sich an dem Raum mit der hohen Decke und den schnuckeligen Verzierungen sattgesehen, gilt es, die Schätze in den Regalen zu erkunden. Was wir dann auch ausgiebig etwa eine Stunde lang tun. Um ein paar Lektüren reicher machen wir uns dann auf den Weg zur letzten Etappe unserer Runde durch Victoria: Chinatown.

Sobald die Straßenschilder rot und mit Schriftzeichen versehen sind und Lampions über dem Asphalt baumeln, weiß man, dass man angekommen ist. Ein Hauch Exotik liegt über diesem Teil der Stadt. Und besonders angetan hat uns die Fan Tan Alley, eine gerade mal knapp zwei Meter schmale Gasse mit vielen winzigen Geschäften. Später lassen wir den Abend in einem gemütlichen Restaurant ausklingen. "Wine Wednesday" lautet dort das Motto; wie gut, dass tatsächlich Mittwoch ist und die Flasche Wein erheblich günstiger Angeboten wird; auch der angenehme Riesling aus British Columbia. Wobei es – im Nachhinein betrachtet – eine halbe Flasche wohl auch getan hätte. Aber wir finden trotzdem wieder zurück ins Hotel.

Energielos in Tofino

Wer in Victoria gut in den Tag starten will, könnte ihn im Bean Around the World in der Fisgard Street beginnen. Das Angebot lässt keine Wünsche offen, der Laden ist urgemütlich und man hat einen guten Grund, noch mal kurz nach Chinatown zurückzukehren. Danach begeben wir uns aber umgehend auf den Trans-Canada Highway – dessen symbolische Meile 0 am Beacon Hill Park liegt und der bis nach St. John’s auf Neufundland führt – und fahren unserem heutigen Ziel entgegen: Tofino. Das klingt schon mal richtig gut. Tofino! Lange Strände, großartige Wellen (vor allem für Surfer, zu denen ich mich allerdings eher nicht zähle) und das Gefühl, weitab von allem zu sein. Der Weg dorthin ist jedenfalls schon mal so, wie man sich Reisen in Kanada vorstellt: endlose Wälder, Berge und Seen wie aus dem Hochglanzbildband. Wie überaus angenehm ist es da, dass man in diesem Land mit dem Auto tatsächlich noch gemütlich reist, statt gehetzt von einem Stau zum nächsten zu brettern. Nein, hier drängelt niemand, alle sind geduldig, auch wenn hier und da die Touristen noch langsamer werden, um schnell noch einen Schnappschuss aus dem Fester zu erhaschen.

Unterwegs stoppen wir kurz an einem dieser schönen Seen, dem Cameron Lake, der über ein ebenso klares wie kaltes Wasser verfügt. Direkt am See liegt der MacMillan Provincial Park, der auch unter dem Namen Cathedral Grove bekannt ist – offenbar ein Highlight, jedenfalls der Anzahl der dort parkenden Autos nach zu urteilen. Den Park lassen wir aber erst mal links liegen – auf dem Rückweg wollen wir hier anhalten. Irgendwann führt uns die Berg- und Talfahrt dann in den Pacific Rim National Park. Diverse Schilder weisen auf Strände und Wanderwege durch den Regenwald hin. Aber wir wollen erst einmal in unserem Hotel einchecken, das direkt am kleinen Hafen von Tofino liegt.

Wie sich schnell herausstellt, gibt es im ganzen Ort schon seit Stunden keinen Strom. Macht ja nichts, ist ja noch helllichter Nachmittag, der ideale Zeitpunkt, um eine Runde durch das Städtchen zu drehen. Die Lage ist grandios, rundherum gibt es Wasser; dahinter ragen Berge auf, an denen hier und da eine Wolke hängen geblieben ist. Wir könnten Stunden diesen Anblick genießen – wenn der Wind nicht so kühl wäre. Außerdem wollen wir noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt einkaufen, der sich mit einem Generator Strom fürs Kassieren verschafft. Außerdem decken wir uns für alle Fälle noch mit einer Kerze und einem Feuerzeug ein. Und das war nicht die schlechteste Entscheidung, wie sich später bei Einbruch der Dunkelheit herausstellt.

Die Spannung im Stromnetz lässt weiter zu wünschen übrig. Da drängt sich irgendwann auch die Frage auf, inwieweit die örtliche Gastronomie in Mitleidenschaft gezogen ist. Als wir uns auf den Weg machen, ist es bereits dunkel. Und die meisten Restaurants sind es auch, denn sie haben geschlossen. Wir finden ein geöffnetes, für das wir jedoch keine Reservierung haben. Aber es ist lustig anzuschauen, wie die Leute an dem nur mit Kerzen beleuchteten Raum sitzen und versuchen, die Speisekarten zu entziffern. Etwas später haben wir auch Glück und finden in einer der dunklen Straßen eine Pizzeria, für die sich die Anschaffung des Generators recht schnell gerechnet haben dürfte. So sitzen wir dann etwas später bei Kerzenschein und Pizza in unserem Zimmer und genießen den stromlosen Abend in diesem abgelegenen Ort. Auch das passt ja eigentlich ziemlich gut zu der Vorstellung, die man über Kanada so hat: weitab von allem Stress die Natur genießen und auch mal ein bisschen improvisieren.


Vancouver Island: Strom, Regen und Wale

Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass uns die Zivilisation wieder eingeholt hat: Wir haben wieder Strom! Also haben auch die vielen netten Cafés wieder alles, um ein schönes Frühstück auf den Tisch zu zaubern. Während wir so bequem den leider etwas grauen Tag beginnen, müssen wir überlegen, welche Art von Whale Watching Tour wir unternehmen: sportlich im übermotorisierten Schlauchboot über die Wellen hüpfend oder eine Nummer gemächlicher mit einem stabil wirkenden Schiff, das auch über wind- und wettergeschützte Innenplätze verfügt? Um unsere Rücken zu schonen und da wir über keine Funktionsklamotten verfügen und es immer wieder bedrohlich nach Regen aussieht, buchen wir die gemütliche Variante.

Bis zur Abfahrt haben wir aber noch viel Zeit, sodass wir ein wenig die Gegend erkunden wollen und uns auf den Weg in den Pacific Rim National Park machen. Wir fahren zum Parkplatz am Schooner Cove. Dann wird es richtig schön, denn um zum Wasser zu kommen, muss man zunächst etwa zwanzig Minuten lang einen Wald durchqueren – einen Regenwald. Auf einem Weg aus Holzbohlen geht es vorbei an unglaublich hohen und unfassbar dicken Bäumen, die allesamt von Moos bedeckt sind.
Verwunschen sieht dieser Wald aus, überall rankt es, überall werden alte Baumstümpfe überwuchert, ragen krumme Äste in die abenteuerlichsten Richtungen und überall gilt es, Bachläufe und kleine Schluchten zu überqueren. In der Ferne ist das Rauschen des Pazifiks zu hören und, wenn man genau hinriecht, auch dessen würziges Aroma in der Luft zu bemerken. Und plötzlich steht man am Strand, umgeben von Felsen, kleinen Inseln und donnernden Wellen. Kein Wunder, dass diese Gegend ein Eldorado für Surfer ist. Uns genügt es aber schon, einfach nur am Strand entlangzuspazieren, die Augen auf den Boden gerichtet, um über die riesigen Muscheln und die merkwürdig dicken schlauchförmigen Algen zu staunen.

Dann fahren wir zurück nach Tofino, denn unser Whale Watching Ausflug ruft. Wir werden freundlich begrüßt und ebenso herzlich geht es auch an Bord zu. Bruce, der Kapitän, klettert auf die kleine Brücke und dann geht’s auch schon los. Während die Leute mit Polar-Expeditions-Jacken an Deck bleiben, machen wir es uns im Inneren gemütlich.
 

Keine schlechte Wahl, denn auf dem offenen Pazifik pfeift doch eine ordentliche Brise. Aber laut Bruce ist das Wetter ideal zum Whale Watching, kaum Wellen … Das Schiff stampft durch die See und alle heften ihre Blicke aufs Wasser, um nichts zu verpassen und die Tiere möglichst als Erstes zu sehen.

Und dann tauchen plötzlich die ersten Flossen aus dem Wasser auf: Orcas! Man weiß ja genau, wie diese Tiere aussehen, wo und wie sie leben, was sie so treiben und womit sie zu kämpfen haben. Aber wenn man sie plötzlich mit eigenen Augen sieht, knapp hundert Meter entfernt, wie sie majestätisch aus dem Wasser gleiten, man ihre weiße Zeichnung sieht, und wenn es noch dazu sechs oder sieben Stück sind, dann ist man doch zutiefst beeindruckt. Alle an Bord können plötzlich nur noch mit dem Finger zeigen und kriegen nur ein „There!“ heraus. Außer Captain Bruce, der über Lautsprecher ganz gelassen kundtut, um welche Tiere es sich genau handelt, seit wann sie sich in diesen Gewässern aufhalten und wie viele Junge darunter sind. Immer wieder verschwinden die Flossen kurz, um wenig später an anderer Stelle unvermittelt wieder aufzutauchen.

Dann lässt der Kapitän sie in Ruhe und steuert auf eine Stelle zu, an der er aus der Ferne die Fontäne eines Buckelwals gesehen hat. Leider bleibt es auch bei diesem fernen Kontakt, der Wal taucht nicht mehr auf. So ist das eben in der freien Natur. Dafür gibt es kurz darauf ein paar Seelöwen zu sehen, die neugierig unser Schiff beäugen. Wir steuern nun eine geschützte Bucht an, in der ein Grauwal gewissermaßen gerade beim Mittagessen ist. Und tatsächlich, er lässt nicht lange auf sich warten. Ganz in der Nähe sprudelt unvermittelt Wasser in die Höhe und dazu taucht ein grauer Körper auf. Man sieht nur einen kleinen Teil und kann doch ahnen, wie viel sich noch vor den Blicken verbirgt. Dann ist er wieder verschwunden. Aber nur kurz, schon taucht er ganz in der Nähe wieder auf. Vier-, fünfmal können wir ihn so sehen. Dann müssen wir leider langsam wieder den kleinen Hafen von Tofino ansteuern. Die dreistündige Whale Watching Tour ist schnell vergangen, die Erinnerungen an diese Begegnungen werden aber noch lange bleiben.
 

Vancouver island ist Einer der besten Orte um Wale aus nächster Nähe zu beobachten:

Mit der Fähre zurück nach Vancouver

Heute werden wir leider schon wieder in Richtung Vancouver aufbrechen und das ruhige Tofino hinter uns lassen. Aber warum „leider“? Immerhin liegt noch eine Woche in Vancouver vor uns! Und auch die Fahrt dorthin verspricht schön zu werden. Hier und da sieht man schon blauen Himmel. Also packen wir alles wieder ins Auto und suchen uns in Tofino erst mal einen netten Frühstücksort. Es gibt hier einige verlockende Cafés, in denen man neben einer großartigen Auswahl an Gerichten (von heftig fettreich bis vegan) auch stets einige Surfer zu sehen bekommt. Ein eigenwilliges Völkchen, dass zumeist verstrubbelt und in lässigen Klamotten zum besonderen Flair dieses Ortes beiträgt – und man hat stets Lieder von Ben Harper im Ohr, wenn man Vertreter dieser Gattung sieht.

Gut gestärkt fahren wir los, kommen aber noch nicht so richtig weit, weil wir uns spontan für einen kleinen Strandspaziergang am Long Beach entscheiden. Wir folgen einfach einem der Surfer, der vor uns mit seinem in die Tage gekommenen Fahrrad und einem Surfbrett unterm Arm (!) rechts abbiegt. Der Strand ist wirklich großartig und macht seinem Namen alle Ehre. Schier endlos breit liegt er vor uns. Überall sieht man kleine Gruppen von Surfern, die noch ein wenig plaudern, bevor sie sich auf ihre Bretter stellen. Wir genießen die herrlich frische Luft und freuen uns über jedes Fleckchen Blau am Himmel.

Der Weg zurück in Richtung Ostküste von Vancouver Island ist bis Port Alberni alternativlos. Aber das macht nichts, denn die Landschaft ist so schön, dass man sie sich problemlos zweimal anschauen kann. Und man entdeckt immer wieder etwas Neues – zum Beispiel einen kleinen Braunbären, der hinter einer Kurve plötzlich am Straßenrand sitzt und sich dann aber lieber in Sicherheit bringt. Wir sind ziemlich glücklich, endlich unseren ersten Bären in freier Wildbahn zu sehen – und ihn dabei nicht überrollt zu haben. Die Fahrt geht weiter, immer wieder kommen wir an Seen und Flüssen vorbei; lange Zeit sehen wir kein einziges anderes Auto. Dann erreichen wir Port Albani und etwas später wieder den MacMillan Provinicial Park. Hier wollten wir ja noch an dem Parkplatz halten, der auf der Hinfahrt so voll war. 

Wir stoppen also, steigen aus und stehen dann inmitten schier endlos hoher Bäume – Cathedral Cove. Man kann eine kleine Runde durch diese Riesen drehen; ideal, um sich auf halber Strecke mal die Beine zu vertreten. Dafür kriegt man schnell Nackenprobleme, weil man sich ständig verrenken muss, um die Bäume in ihrer ganzen Länge zu sehen. Die Stimmung hier hat etwas mystisches; die Sonnenstrahlen kommen kaum bis zum Boden, und die Stämme und Äste sind mit Moos bewachsen.

Dann ist es auch nicht mehr weit bis Nanaimo, von wo wir mit BC Ferries wieder aufs Festland übersetzen wollen. Ein bisschen wehmütig kommen wir in der Departure Bay an, wo sich das Fährterminal befindet. Da wir ohne Fahrplan im Hinterkopf losgefahren sind, lassen wir uns überraschen, wie lange wir auf das Schiff warten müssen. Es fährt zwar nicht sofort, aber rund eine Stunde zu warten, ist in dem Terminal kein Problem. Hier gibt’s Kaffee von bekannten Ketten, Snacks und den ein oder anderen Shop. Und wenn man sich fragt: „Wie lange noch?“ – kein Problem, man kann auf einem Bildschirm auf die Seemeile genau verfolgen, wo der Dampfer gerade ist.

An Bord begeben wir uns sogleich aufs Oberdeck, um die Sonnenstrahlen zu genießen. Allerdings verlassen wir unsere Plätze im Freien schnell wieder, denn sobald wir die Bucht verlassen haben, pfeift ordentlich der Wind. Langsam wird Vancouver Island hinter uns immer kleiner – ein trauriger Anblick; aber dafür rückt beim Blick nach vorn Vancouver und die umliegende Küste immer näher. Nun bleiben wir doch an Deck, denn der Blick in die Bucht mit den vielen Inseln und Bergen ist einfach großartig!

Wir schwingen uns wieder in unser Gefährt, verlassen die Fähre und fahren in Horseshoe Bay an Land. Auch hier ist alles perfekt organisiert, sofort ist man auf der richtigen Autobahn und keine zwanzig Minuten später schon wieder in North Vancouver, wo wir von unseren Freunden herzlich in Empfang genommen werden. 


 

Kurz, aber vielseitig

Als Fazit dieser kurzen, intensiven Runde kann ich nur sagen: Es lohnt sich, denn man sieht viel, kommt durch nette Orte und großartige Natur, findet empfehlenswerte Restaurants und kann eine ordentliche Portion Frischluft tanken. Wir würden – und werden – es wieder tun!

Die absoluten Highlights unserer Reise:
 

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