Waterfront von Charlottetown auf Prince Edward Island
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Eine aufregende Woche auf Prince Edward Island

CANUSA unterwegs: Tabea erkundet Kanadas kleinste Provinz

Ich bin zum ersten Mal in Kanada. Schon beim Packen mischt sich Aufregung mit Neugier, denn dieses riesige Land mit seinen unendlichen Weiten, Seen und Wäldern übt eine magische Anziehung auf mich aus. Doch meine Reise führt mich nicht in die Berge oder in eine pulsierende Metropole, sondern nach Prince Edward Island, der kleinsten Provinz Kanadas. Klein vielleicht in der Fläche, aber groß in allem, was die Region zu bieten hat: endlose Sandstrände, charmante Dörfer, eine reiche Geschichte und eine Küche, die jedes Herz höher schlagen lässt. Als absoluter Meer-Mensch liebe ich salzige Luft, feinen Sand unter den Füßen und niedliche Leuchttürme, die einsam in die Ferne blinken. Und genau das finde ich hier in Hülle und Fülle. Ich habe das Gefühl, dass diese Insel und ich sofort miteinander auf einer Wellenlänge sind – ruhig, freundlich, ein bisschen verträumt und voller Geschichten.

In einer Woche erkunde ich die Insel von Küste zu Küste: von den Dünen der North Shore bis zu den stillen Buchten im Osten, von charmanten Fischerdörfern bis in die Hauptstadt Charlottetown, wo Geschichte, Musik und Lebensfreude aufeinandertreffen. Ich wandere an Stränden, die sich bis zum Horizont erstrecken, besuche den Anne of Green Gables Heritage Place, entspanne im Mysa Nordic Spa, fahre zum Tiefseefischen hinaus auf den Atlantik und feiere beim berühmten PEI Shellfish Festival gemeinsam mit den Einheimischen. Jeder Tag bringt neue Eindrücke – und doch zieht sich ein roter Faden durch die Reise: die Nähe zum Meer, die Herzlichkeit der Menschen und dieses Gefühl, dass hier die Welt ein kleines bisschen langsamer und schöner ist.

Tabea Wahl
„Und dann öffnet sich die Szenerie ganz plötzlich: Vor mir liegen ein endloser Sandstrand, sanft geschwungene Dünen und eine atemberaubende Küstenlandschaft.“
Tabea Wahl

Produktmanagerin bei CANUSA in Hamburg

Die Reiseroute von Tabea durch Prince Edward Island

Auf nach Kanada, auf nach Prince Edward Island!

Es ist früher Morgen am Flughafen Frankfurt. Mit einem heißen Tee in der Hand und dem Pass im Gepäck blicke ich auf die Startbahn – Kanada, ich komme! Mein Flug mit Air Canada bringt mich zunächst nach Toronto, wo ich schon beim Blick aus dem Fenster die schier endlose Weite dieses Landes spüren kann. Nach einem reibungslosen Umstieg steige ich in den Anschlussflug nach Charlottetown – und als die Maschine zur Landung ansetzt, sehe ich unter mir ein Mosaik aus grünen Feldern, roten Klippen und blauem Meer. Ein Anblick, der mich sofort verzaubert. 

Eine sanfte Brise trägt den Duft des Atlantiks über das Rollfeld, und ich spüre, wie sich die Vorfreude in pure Begeisterung verwandelt. Nach einer kurzen Fahrt erreiche ich das Blackbush Beach Resort, mein Zuhause für die nächsten zwei Nächte. Von meinem Zimmer aus blicke ich auf Dünen und das glitzernde Meer und kann kaum glauben, wie friedlich es hier ist. Nur das Rauschen der Wellen begleitet mich und dazu das Gefühl, angekommen zu sein – irgendwo zwischen Atlantik und Gelassenheit.

Blick aus dem Flugzeug über Toronto
Zimmer im Blackbush Beach Resort in Prince Edward Island

Eine Insel im Zeichen der Literatur

Am nächsten Morgen geht es zunächst zum Covehead Lighthouse, das klein, charmant und mit seinem rot-weißen Anstrich ein Inbegriff der Inselromantik ist. Anschließend geht es weiter auf dem Robinsons Island Loop Trail, über den feinen Sand von Brackley Beach und durch duftende Kiefern. Das Meer ist hier nie weit und ich bleibe immer wieder stehen, lasse den Blick schweifen und höre nichts als das Rauschen der Wellen. Für mich ist klar: Wenn es einen Ort gibt, an dem die Seele durchatmet, dann hier. 

Nach dem Mittagessen geht es zum Anne of Green Gables Heritage Place – dem literarischen Zentrum von Anne und Lucy Maud Montgomerys Inspiration. Hier spüre ich, wie die Geschichten lebendig werden. Ich stehe im weißen Farmhaus, das Lucy Maud Montgomery zu ihrem berühmten Roman inspirierte, und sehe die Protagonistin Anne fast vor mir – wild, mutig und voller Fantasie.

Die Räume sind liebevoll restauriert und erinnern mit Möbeln und Dekor aus dem 19. Jahrhundert an Szenen aus den Romanen – das gemütliche Wohnzimmer mit der alten Standuhr, das kleine Nähzimmer unterm Dach, der Garten, aus dem sich Montgomerys „Lover’s Lane“ und der „Haunted Wood-Pfad“ entspinnt. Überall liegt ein Hauch von Nostalgie in der Luft, als würde Anne gleich um die Ecke stürmen, die Zöpfe fliegend, das Gesicht gerötet vor Aufregung. Ich verstehe sofort, warum sie und diese Insel untrennbar miteinander verbunden sind – hier wird Fiktion zur Wirklichkeit.

Was ich besonders bewundere: Anne begegnet einem auf Prince Edward Island nicht nur an einem Ort, sondern überall. Die ganze Insel scheint in kleine Erlebnisstationen aufgeteilt zu sein, die zusammen ein literarisches Netz weben – ein Geflecht aus Geschichten, Orten und Emotionen, das sich wie ein roter Faden durch die Landschaft zieht. 

Neben dem Green Gables Heritage Place begegne ich immer wieder weiteren Orten, die Annes Welt lebendig halten. Ganz in der Nähe, in Park Corner, liegt das Anne of Green Gables Museum – ein Ort, der Besucher mit persönlichen Erinnerungsstücken von Lucy Maud Montgomery empfängt. Briefe, Fotografien und kleine Alltagsgegenstände zeigen, wie eng ihr Leben mit der Landschaft der Insel verwoben war. Und nicht weit davon entfernt soll das Avonlea Village in Cavendish ein echtes Highlight für Anne-Fans sein. Ein Freilichtdorf, das Szenen aus den Romanen mit alten Holzhäusern, Musik, handwerklichen Vorführungen und Schauspielern in historischen Kostümen aufleben lässt. 

Auch Montgomerys eigene Geschichte zieht sich wie ein Faden über die Insel. In Clifton (New London) kann man ihr Geburtshaus besuchen – ein schlichtes, weißes Holzhaus mit grünen Fensterläden, das an ihre frühen Jahre erinnert. Und in der Lower Bedeque School, wo sie selbst unterrichtete, scheint die Zeit stillzustehen. 

In Charlottetown stoße ich schließlich selbst auf Spuren von Anne: Im Anne of Green Gables Store finde ich Bücher, handgefertigte Souvenirs und liebevolle Details, die Annes Welt in den Alltag holen. Nur wenige Schritte entfernt läuft im Sommer das Musical „Anne & Gilbert“ – allein die Begeisterung der Einheimischen verrät mir, wie sehr die Geschichte hier weiterlebt. So entsteht über die Insel hinweg ein literarischer Parcours, der mich tief beeindruckt. Auf Prince Edward Island ist Anne nicht einfach eine Romanfigur, sie ist Teil der Seele dieser Insel.

Historischer Covehead Leuchtturm auf Prince Edward Island
Bauernhof Green Gables im kanadischen Cavendish auf Prince Edward Island

Eine malerische Wanderung und pure Erholung zum Schluss

Am nächsten Tag zieht es mich zu einer Wanderung in die Greenwich Dunes – eine Landschaft, die so still und zugleich so eindrucksvoll ist, dass sie einem den Atem raubt. Gleich zu Beginn führt der Pfad durch schattige Wälder und feuchte Niederungen, in denen das Licht wie durch einen grünen Schleier fällt. Nach einigen Minuten beginnt der wohl schönste Teil der Wanderung: Wir gehen über einen schwebenden Holzsteg, der sich wie ein Band durch die Landschaft zieht. So geht es vorbei an Sümpfen und empfindlichen Feuchtgebieten, während die Plattform sanft unter meinen Schritten nachgibt. 

Und dann öffnet sich die Szenerie ganz plötzlich: Vor mir liegen ein endloser Sandstrand, sanft geschwungene Dünen und eine atemberaubende Küstenlandschaft. Das Licht spielt auf dem Sand, der Wind formt feine Linien und irgendwo kreist eine Möwe über den Wellen.

Der Weg führt auf demselben Pfad zurück und doch wirkt alles anders. Das Licht hat sich verändert, die Schatten sind länger, die Farben weicher. Das leise und beruhigende Rauschen der Dünengräser begleitet mich bis zum Schluss durch diese besondere Landschaft. 

Anschließend genieße ich im Mysa Nordic Spa pure Entspannung – heiße Bäder, kalte Tauchbecken und eine Aussicht, die man am liebsten einrahmen würde. Hier verschmelzen Ruhe, Natur und Wohlbefinden zu einer Einheit. Abends geht es ins Rodd Brudenell River Resort, umgeben von sanften Hügeln und dem gleichnamigen Fluss.

Greenwich Dunes Trail auf Prince Edward Island
Natur genießen am Greenwich Dunes Trail auf Prince Edward Island

Echte PEI-Momente beim Tiefseefischen und Reiten

Am nächsten Tag geht es zum Tiefseefischen hinaus auf den Atlantik. Kapitän Perry begrüßt mich und die anderen Teilnehmer mit einem breiten Grinsen. Bevor es hinaus aufs Meer geht, zeigt er uns seine sogenannten Educational Traps: spezielle Reusen, mit denen er uns die Unterwasserwelt rund um Prince Edward Island näherbringt. Vorsichtig zieht er immer wieder Fallen an Bord – darin zappeln Krebse, Muscheln und Hummer, die er mit sichtbarer Begeisterung präsentiert.

Während er die Tiere vorstellt, spricht er von der „Fischerei-Kultur“ auf PEI, wie Prince Edward Island gern abgekürzt wird. Hier werden Hummer nicht einfach gefangen, sondern nachhaltig „angebaut“ – mit Respekt vor der Natur und ihren Rhythmen. Er zeigt uns, wie man das Alter eines Hummers bestimmt und wie Reusen gebaut werden, und er erzählt, warum das Meer die Menschen hier ernährt, ihnen aber auch Demut lehrt. Seine Leidenschaft ist ansteckend, man spürt, dass Kapitän Perry nicht nur ein Fischer ist, sondern ein wahrer Geschichtenerzähler.

Dann heißt es: Leinen auswerfen. Das Boot schaukelt leicht, die Sonne glitzert auf dem Wasser und nach wenigen Minuten spüre ich ein Zucken an der Angelschnur – mein erster Fang! Eine Makrele zieht an der Leine. Ich bin aufgeregt wie ein Kind und kann kaum glauben, wie viel Energie in so einem kleinen Fisch steckt. Kaum sind die ersten Fänge an Bord, wird das Boot zur schwimmenden Outdoor-Küche. Kapitän Perry filetiert die Makrelen mit routinierten Handgriffen, legt sie auf den kleinen Gasgrill am Heck und würzt sie mit nichts als etwas Butter, Salz und einem Spritzer Zitrone. 

Der Duft breitet sich über dem Deck aus und Minuten später sitzen wir alle zusammen und genießen den fangfrischen Fisch direkt vom Grill. Es ist ein einfaches Mahl, aber eines, das mir lange in Erinnerung bleiben wird. Zwischen Lachen, salzigen Händen und der Gischt, die über die Reling spritzt, spüre ich einen echten und unverwechselbaren PEI-Moment.

Nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt wartet schon das nächste Abenteuer: Reiten am Flussufer. Auf der kleinen Ranch begrüßt uns der Stallbesitzer mit einem freundlichen Nicken. Der Duft von Heu liegt in der Luft und irgendwo schnaubt leise ein Pferd. Wir bekommen Helme und jedem Teilnehmer wird ein Tier zugeteilt, natürlich jedes mit seinem ganz eigenen Charakter. Nach einer kurzen Einweisung reiten wir in einer Kolonne los. Der schmale Pfad führt zunächst durch einen Wald, wo sich das Klappern der Hufe mit dem Rascheln der Blätter vermischt.

Schließlich öffnet sich der Wald und vor uns glitzert das Wasser des Brudenell River. Für einen ganz kurzen Abschnitt reiten wir am Ufer entlang. Ich lehne mich leicht im Sattel zurück und genieße diesen schönen Moment. Es ist kein spektakuläres Abenteuer, sondern eines, bei dem man spürt, wie sehr die Natur hier Teil des Alltags ist. Schließlich reiten wir wieder zurück zur Ranch. Für mich hat sich Prince Edward Island heute von seiner sanften Seite voller kleiner (Natur-)Wunder gezeigt.

Boot im Hafen von Georgetown auf Prince Edward Island
Tabea beim Reiten im Rodd Brudenell River Resort auf Prince Edward Island

Zwischen Regen, dampfender Suppe und Kleinstadtcharme

Heute zeigt sich Prince Edward Island von einer anderen Seite. Dichte Wolken hängen tief über den Baumwipfeln und feiner Nieselregen zieht wie ein Schleier über die Landschaft. Es ist das erste und einzige Mal auf dieser Reise, dass das Wetter nicht mitspielt – aber vielleicht gehört genau das auch zu einem echten Kanada-Erlebnis dazu. Eingehüllt in Regenjacken und mit Kapuzen über dem Kopf geht es auf den Cardigan River Trail. Der Wald ist stiller als sonst, gedämpft, fast geheimnisvoll. Der Duft von nassem Moos liegt in der Luft und Regentropfen glitzern wie kleine Perlen auf Farnen und Gräsern. 

Der Pfad schlängelt sich entlang des Flusses, der durch den Regen dunkel und kraftvoll wirkt. Manchmal gluckert er sanft, manchmal rauscht er über kleine Steine hinweg. Eigentlich ist es ein wunderschöner Abschnitt – Holzbrücken, schmale Wege, die sich zwischen Ahorn- und Birkenstämmen hindurchwinden –, aber heute kann ich ihn nicht ganz genießen. Immer wieder wische ich mir das Wasser aus dem Gesicht und scherze, dass ich wohl bald selbst Teil des Flusses werde. Nach gut einer Stunde gebe ich auf – klatschnass, aber glücklich und voller Vorfreude auf eine heiße Clam Chowder, die irgendwo dampfend auf mich wartet. 

Zurück im Trockenen schmeckt sie dann doppelt gut – cremig, würzig, mit zarten Muschelstücken und einem Hauch Speck. Ich lehne mich zurück, halte die heiße Schale in den Händen und denke: Selbst an grauen Tagen hat diese Insel ihren ganz eigenen Zauber.

Und dann geht es endlich nach Charlottetown. Die Hauptstadt der Insel wirkt wie aus einem Bilderbuch: viktorianische Häuser, gemütliche Cafés, charmante Läden und überall freundliche Gesichter. Am Nachmittag nehme ich mir etwas Zeit, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Die Sonne blitzt wieder zwischen den Wolken hervor und die Straßen rund um die Victoria Row sind erfüllt von Musik, Stimmen und dem Duft frisch gebrühten Kaffees. Ich schlendere durch die Gassen, tauche ein in kleine Boutiquen und charmante Läden. Besonders angetan hat es mir Cool as a Moose – ein fröhlicher, typisch kanadischer Shop voller bunter T-Shirts, verrückter Souvenirs und jeder Menge Humor. 

Danach verliere ich mich in einem der kleinen, unabhängigen Buchläden. Hier könnte ich stundenlang stöbern. Natürlich darf auch ein Abstecher in den Anne of Green Gables Chocolate Shop nicht fehlen. Zwischen hübsch verpackten Pralinen und Schokoladentafeln mit Annes Silhouette wird man unweigerlich wieder zum Kind. Alles ist liebevoll gestaltet und verspielt – ein kleines Stück Nostalgie zum Mitnehmen. Und weil zu einem perfekten Nachmittag auf Prince Edward Island auch ein süßes Finale gehört, gönne ich mir noch ein Eis von Cows Creamery – weltberühmt, wie alle sagen, und tatsächlich jede Kalorie wert. Die Sorte „Gooey Mooey“ schmeckt nach Karamell, Marshmallow und einem Hauch Kindheit. Mit klebrigen Fingern, einem Lächeln und ein paar neuen Schätzen in der Tasche mache ich mich schließlich auf den Weg zum Abendessen.

Wanderung auf den Cardigan Trails auf Prince Edward Island
Anne of Green Gables Souvenirgeschäft in Charlottetown

Entspannende Ruhe und pures Leben – eine Insel voller Kontraste

Am nächsten Morgen begebe ich mich auf eine letzte Wanderung, diesmal mit ein paar echten Höhenmetern und einem der schönsten Ausblicke meiner Reise. Der Strathgartney Provincial Park liegt nur eine kurze Fahrt von Charlottetown entfernt, doch schon bei der Ankunft wirkt es, als wäre man in einer anderen Welt. Die Luft ist klar und über den Hügeln schimmert bereits das erste Herbstlaub des Jahres in kräftigen Gelb-, Orange- und Rottönen. Der Wind trägt den Duft von feuchtem Laub herüber und irgendwo ruft ein Blauhäher. 

Der Pfad windet sich durch den Wald und führt über kleine Wurzeln und Felsen sanft bergab bis ich das leise Rauschen eines Baches höre. Unten angekommen ist es kühler und feuchter, das Wasser plätschert über glatte Steine und der Wald riecht nach Erde. Ich bleibe kurz stehen, lehne mich gegen einen Baumstamm und lasse den Blick über das glitzernde Wasser schweifen. Es ist einer dieser unspektakulären, aber dennoch vollkommenen Momente inmitten der Natur. Der Rückweg führt wieder hinauf – nicht lang, aber stetig – und endet dort, wo er begonnen hat: oben, mit dem Blick über die Hügel, die jetzt im Nachmittagslicht noch kräftiger leuchten. Die Schönheit des Herbstes auf Prince Edward Island steckt für mich in jedem Detail, selbst in einem raschelnden Blatt.

Am Abend steht eines der absoluten Highlights meiner Reise an: das Prince Edward Island International Shellfish Festival. Schon beim Betreten des Festivalgeländes spüre ich, dass diese Veranstaltung mehr ist als nur ein kulinarisches Event. Es ist ein fröhliches Fest zu Ehren des Meeres und all jener, die davon leben. In riesigen Zelten pulsiert das Leben und Lichterketten glühen in warmem Gelb, Musik klingt über das Gelände und überall riecht es nach Hummer, Butter, Salz und Meer. 

Die Stimmung ist ausgelassen und ansteckend. Ich schlendere von Stand zu Stand, koste mich durch dampfende Lobster Rolls, zarte Jakobsmuscheln und natürlich eine große Schale cremiger Clam Chowder. Überall wird probiert, geplaudert und gelacht. Es ist laut, lebendig und herzlich – so wie Prince Edward Island eben ist.

Als schließlich die Oyster Shucking Championship beginnt, zieht es alle vor die große Bühne. Sie ist das unbestrittene Herzstück des Abends – eine Mischung aus Wettbewerb, Show und purer Leidenschaft. Die besten Austernöffner Nordamerikas treten gegeneinander an, bewaffnet mit ihren Messern, konzentriert, fokussiert, aber mit einem Funkeln in den Augen. Das Publikum zählt laut mit – „Three, two, one!“ – und dann beginnt das metallische Klirren, das rhythmische Klack-Klack der Messer. In Sekunden werden Austern geöffnet, geschliffen, auf Eis gelegt – ein choreografiertes Spektakel aus Können und Präzision. Die Menge jubelt, johlt, fiebert mit, als wären wir beim Finale eines großen Sportereignisses. Ich bin mittendrin, fasziniert von der Energie, die von der Bühne ausgeht. Kurz vor 22 Uhr wird schließlich der Sieger gekürt. Die Menge tobt, Musik setzt ein, Gläser werden gehoben und die Bühne verwandelt sich im Handumdrehen in eine Tanzfläche. 

Und dann passiert etwas, das diese Insel perfekt beschreibt: Aus einem Wettbewerb wird eine einzige große Tanzparty. Als ich spät in der Nacht zurück in mein Hotel gehe, bin ich noch immer ganz erfüllt von dieser Atmosphäre. Das Shellfish Festival ist kein gewöhnliches Event – es ist die Seele von Prince Edward Island in Reinform: kulinarisch, herzlich, bodenständig und mit einer ansteckenden Lebensfreude.

Strathgartney Provincial Park in Bonshaw auf Prince Edward Island
Plakat vom Shellfish Festival auf Prince Edward Island

Charlottetown – der Grundstein Kanadas

Die nächsten und zugleich letzten zwei Tage verbringe ich damit, Charlottetown ganz in Ruhe zu entdecken. So auch bei einer geführten Walking Tour. Schon am frühen Vormittag treffe ich den Guide und die anderen Teilnehmer vor dem Confederation Centre of the Arts – einem modernen Kulturzentrum, das zugleich das Herz der Stadt ist. Von hier aus führt uns der Weg durch die kopfsteingepflasterten Straßen der Altstadt. Der Regen des Vortags ist vergessen, die Sonne scheint und die Fassaden leuchten in freundlichen Pastelltönen. Unser Guide, ein echter Charlottetowner mit Humor und einem Faible für Geschichte, erzählt begeistert von der sogenannten „Birthplace of Confederation“. Denn hier, in dieser kleinen Stadt am Meer, wurde 1864 die Idee zur Gründung Kanadas geboren. Vor dem Province House, einem eleganten Sandsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert, berichtet er von den „Founding Fathers“ und davon, wie viel Diskussion, Diplomatie – und angeblich auch Wein – nötig waren, um das Land zu einen. 

Wir spazieren weiter entlang der Great George Street, flankiert von alten Kirchen, kleinen Läden und gepflegten viktorianischen Häusern mit weißen Veranden. Besonders eindrucksvoll ist die St. Dunstan’s Basilica, deren grüne Türme wie Finger in den Himmel ragen. Drinnen ist es kühl und still, das Licht fällt durch farbige Glasfenster und taucht die Bänke in ein warmes, buntes Leuchten. Weiter geht es durch die charmanten Gassen der Innenstadt, vorbei am Rathaus von Charlottetown, einem prächtigen Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert, und an der Feuerwache nebenan, deren rote Türen perfekt zu den glänzenden Löschfahrzeugen davor passen. Nur wenige Straßen weiter erreichen wir die St. Peter’s Cathedral, eine kleine, aber wunderschön verzierte anglikanische Kirche mit Buntglasfenstern, die im Sonnenlicht leuchten. 

Der Weg führt uns schließlich Richtung Westen, zum Beaconsfield Historic House, einem prachtvollen viktorianischen Herrenhaus mit spitzen Giebeln, Erkern und Veranden, das heute ein Museum ist. Ich kann mir gut vorstellen, wie hier einst die wohlhabenden Familien der Stadt lebten, während vor den Fenstern die Segelschiffe in den Hafen einliefen. Nur wenige Schritte entfernt liegt das Government House, der offizielle Sitz des Vizegouverneurs – umgeben von gepflegten Gärten, alten Bäumen und einem Hauch britischer Eleganz. Als die Tour endet, spüre ich, dass sich der Kreis dieser Reise schließt. Ich habe in einer Woche so viele Facetten dieser Insel erlebt – Dünen, Wälder, Dörfer, Geschichten – und hier in Charlottetown fühle ich noch einmal all das auf einmal: das Meer, die Menschen, die Wärme.

Am nächsten Tag heißt es dann Abschied nehmen. Als das Flugzeug über Prince Edward Island fliegt, drücke ich die Stirn leicht an das Fenster. Unter mir glitzert das Meer, die Küste zieht sich wie ein feiner, roter Faden durch das Blau des Atlantiks. Ich erkenne die Dünen von Greenwich, den Hafen von Charlottetown, winzige Leuchttürme, Felder und Wälder, die sich schon in den ersten Herbstfarben zeigen. Je höher wir steigen, desto kleiner wird die Insel – und doch habe ich das Gefühl, dass sie mich nicht loslässt. Es ist, als hätte sie sich still in mein Herz geschlichen. Kanada mag in Charlottetown geboren worden sein, aber das Herz dieser kleinen Stadt schlägt bis heute im Rhythmus des Meeres. Und irgendwo zwischen Wellen und Wind weiß ich: Ich komme wieder.

Feuerwehrstation von Charlottetown auf Prince Edward Island
Museum Beaconsfield Historic House in Charlottetown auf Prince Edward Island

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