Schönes Lichtervergnügen: Beim Mardi Gras ziehen funkelnde Paradewagen durch die Straßen von New Orleans

Schönes Lichtervergnügen: Beim Mardi Gras ziehen funkelnde Paradewagen durch die Straßen von New Orleans
Mardi Gras haben viele schon einmal gehört. Doch welche Bräuche und Traditionen damit einhergehen, wissen meist nur diejenigen, die selbst dabei waren. Was steckt also hinter dem bunten Festtreiben? Fest steht: Mardi Gras bildet den Höhepunkt der Karnevalssaison im Süden der USA. Diese beginnt bereits Anfang Januar und steigert sich über Wochen mit Maskenbällen, Umzügen und prunkvollen Paraden. Wer Karneval mag, wird sich in die ganz eigene amerikanische Ausprägung verlieben.
Was auf den ersten Blick wie ein unterhaltsames Straßenfest wirkt, hat Wurzeln tief in der europäischen Geschichte. Mardi Gras heißt auf Deutsch übersetzt „Fetter Dienstag“: der letzte Tag vor Beginn der christlichen Fastenzeit. Traditionell wurde noch einmal üppig gegessen und gefeiert – Fleisch, Fett, Zucker und Alkohol sollten aufgebraucht werden, bevor ab Aschermittwoch Verzicht galt. Daher ist Mardi Gras auch als „Fat Tuesday“, „Shrove Tuesday“ oder „Pancake Day“ bekannt.
Französische Siedler brachten die Tradition im 17. Jahrhundert nach Nordamerika. Lange bevor New Orleans in Louisiana gegründet wurde, feierte man entlang des Mississippi Karneval. Ein oft übersehener Ursprung liegt in Mobile, Alabama: In der damaligen Hauptstadt des Territoriums Französisch-Louisiana fand 1703 der erste dokumentierte Mardi-Gras-Ball Nordamerikas statt.
Mobile gilt damit als Wiege der amerikanischen Mardi-Gras-Tradition – und zeigt, dass Karneval im Süden nicht nur eine Stadtgeschichte ist, sondern regionale Kultur. Historisch war Mardi Gras ein Ventil: noch einmal Überfluss, bevor die Fastenzeit Ordnung verlangte. In den USA kam später eine zweite Ebene hinzu – das Fest wurde zur Bühne für lokale Identität, für Humor und für das Gefühl, gemeinsam zu einer Geschichte zu gehören.
Heute gilt New Orleans als der bekannteste Ort für Mardi Gras, obwohl das Fest dort erst ab 1837 gefeiert wurde. Ab 1857 prägten organisierte Wagenparaden das Bild des Karnevals entscheidend: kunstvoll gestaltete Festwagen, thematische Inszenierungen und klar strukturierte Umzüge machten Mardi Gras zu einem Großereignis im öffentlichen Raum.
Der Kalender liefert dafür einen klaren Rahmen: Die Karnevalssaison beginnt jedes Jahr am 6. Januar (Epiphanie/Dreikönigstag) und endet um Mitternacht am „Fetten Dienstag“. Dieser fällt je nach Jahr zwischen Anfang Februar und Anfang März, da er immer auf den Dienstag vor Aschermittwoch gelegt ist. Ab Januar wächst die Vorfreude Woche für Woche, bis die ausrichtenden Städte schließlich im Ausnahmezustand sind.
Entsprechend hoch ist die Bedeutung für den Süden der USA: Mardi Gras ist in 29 Parishes in Louisiana sowie in zwei Counties in Alabama ein offizieller Feiertag. Auch in Florida gilt er in Counties mit Karnevalsvereinen als arbeitsfrei, während Counties in Mississippi Mardi Gras alternativ zu einem anderen staatlichen Feiertag festlegen können.
Im Mittelpunkt jedes Mardi-Gras-Festivals stehen die Paraden. Bei einer Mardi-Gras-Parade rollen kunstvoll gestaltete Wagen durch die Straßen, begleitet von Musik, Tanzgruppen und kostümierten Teilnehmern. Organisiert werden diese Umzüge von Krewes, die das Rückgrat des Karnevals bilden. Jede dieser karnevalistischen Vereinigungen hat ein eigenes Profil, manche setzen auf Glamour, andere auf Satire oder lokale Themen.
Während der Paraden werfen die Krewe-Mitglieder sogenannte „Throws“ ins Publikum: Perlenketten, falschen Münzen (Doubloons), Becher oder Mondkuchen (Moonpies). Dieses Werfen ist kein Nebeneffekt, sondern Teil des Rituals. Es schafft Nähe zwischen Parade und Zuschauern und macht aus dem Publikum einen aktiven Teil des Geschehens.
Neben den bekannten Krewes von New Orleans spielen geheime Gesellschaften eine zentrale Rolle, besonders in Mobile. Dort organisieren sogenannte Mystic Societies seit eh und je den Karneval. Viele dieser Gesellschaften treten nur einmal im Jahr öffentlich auf, veranstalten ansonsten geschlossene Maskenbälle und pflegen strenge Traditionen. Namen, Mitgliederlisten und Rituale bleiben oft bewusst im Verborgenen.
Diese Mischung aus Öffentlichkeit und Geheimnis verleiht dem Mardi Gras eine zusätzliche Tiefe. Karneval ist hier nicht nur Spektakel, sondern auch ein soziales Gefüge, in dem Zugehörigkeit, Weitergabe von Traditionen und Gemeinschaft eine große Rolle spielen. Besonders sichtbar wird das bei den Black Carnival Traditions in New Orleans: Gruppen wie die Mardi Gras Indians oder die Northside Skull and Bone Gang ziehen unabhängig von den großen Paraden durch die Stadt und pflegen jahrhundertealte Rituale.
Kaum ein Gegenstand ist so eng mit Mardi Gras verbunden wie die bunten Perlenketten. Doch was bedeuten diese Ketten eigentlich? Ursprünglich waren es einfache Glasperlen, die bei Paraden als kleine Aufmerksamkeiten ins Publikum geworfen wurden. Heute stehen sie für Großzügigkeit, Teilhabe und Erinnerung.
Wer eine Mardi-Gras-Kette fängt, nimmt ein Stück des Festivals mit nach Hause – viele sammeln sie über Jahre hinweg, hängen sie an Balkone, Spiegel oder Türrahmen und lassen sie dort weit über die Karnevalszeit hinaus hängen.
Auch die Farben sind nicht zufällig gewählt. Lila steht für Gerechtigkeit, Grün für Glauben und Gold für Macht – ein Farbdreiklang, der im späten 19. Jahrhundert festgelegt wurde und bis heute das visuelle Erscheinungsbild prägt. Er findet sich nicht nur auf Festwagen, sondern auch auf Kostümen, Masken, Fahnen und Dekorationen wieder. Die Bedeutung der Mardi-Gras-Perlenketten ist damit nicht nur dekorativ, sondern symbolisch aufgeladen und fest mit der Geschichte des Festes verbunden.
Ebenso zentral sind Masken und Kostüme. Mardi-Gras-Outfits gehören fest zum Fest, und zwar nicht nur während der Paraden. Gerade in Städten wie New Orleans tragen viele Menschen während der heißen Phase der Saison auch im Alltag Masken, Hüte oder auffällige Accessoires – auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder im Café.
Von schlichten Augenmasken bis zu aufwendig gestalteten Fantasiefiguren ist alles erlaubt. Masken spielen dabei eine besondere Rolle: Sie ermöglichen Anonymität, Rollenwechsel und kreative Freiheit – klassische Motive des Karnevals, die hier ganz selbstverständlich gelebt werden.
Die Bandbreite der Verkleidungen ist ebenso groß. In New Orleans reicht sie von eleganten Maskenbällen mit strengem Dresscode bis zu schrillen, improvisierten Straßenoutfits, bei denen Glitzer, Federn und Humor dominieren. In Mobile hingegen wirken viele Kostüme traditioneller, oft mit historischem Bezug und klarer Verbindung zu den dortigen mystischen Gesellschaften. Beide Formen zeigen, wie unterschiedlich Mardi Gras interpretiert wird – und wie stark lokale Traditionen das Erscheinungsbild prägen.
Untrennbar mit Mardi Gras verbunden ist auch der King Cake. Der bunt glasierte Kuchen wird während der gesamten Saison gegessen und meist mit den typischen Farben Lila, Grün und Gold verziert. Im Inneren verbirgt sich eine kleine Babyfigur, die symbolisch für das Jesuskind steht.
Wer sie in seinem Stück findet, gilt als Glückspilz – übernimmt aber zugleich eine Aufgabe: Traditionell muss diese Person den nächsten King Cake besorgen oder eine weitere Feier ausrichten. So wird aus einem Gebäck ein soziales Ritual, das den Karneval bis in Küchen, Büros und Nachbarschaften hinein verlängert.
Wer die großen Paraden sehen will, reist am besten mehrere Tage vorher an. Die bekanntesten Feierlichkeiten finden in New Orleans statt, während Mobile als ältester Mardi-Gras-Ort der USA historisch geprägt und etwas familiärer wirkt. Ebenfalls bedeutend ist Lake Charles, eine Hochburg mit vielen Paraden und starkem lokalem Engagement. Weitere große Feiern gibt es entlang der Golfküste, etwa in Baton Rouge, Lafayette, Biloxi oder Pensacola.
Praktisch wichtig: In vielen Regionen ist Mardi Gras ein offizieller Feiertag. In Louisiana betrifft das 29 Parishes, in Alabama zusätzlich zwei Counties; in Florida gilt es in Counties mit Karnevalsverbänden, und in Mississippi kann Mardi Gras per Beschluss als Ersatzfeiertag ausgerufen werden. Für Reisende heißt das: Behörden und Schulen können geschlossen sein, manche Abläufe verlangsamen sich – gleichzeitig ist die Atmosphäre besonders dicht. Hotels sind stark nachgefragt, daher lohnt frühzeitiges Buchen.
Wer Mardi Gras als Reiseerlebnis plant, sollte den Tagesablauf klug planen: tagsüber Parade-Spot sichern (für Familien gern mit Klappstuhl oder Hocker), zwischendurch King Cake probieren, abends Musik in den Clubs oder einfach den Brassbands folgen.
Zusätzlich machen ein paar Kleinigkeiten da den Unterschied: Tragen Sie bequeme Schuhe (Sie stehen viel), nehmen Sie eine leichte Regenjacke mit und packen Sie etwas, womit Sie Ihre „Throws“ transportieren können, eine Stofftasche oder ein kleiner Rucksack reicht. Wenn Sie Ketten fangen, achten Sie auf Abstand und werfen Sie nichts zurück.
Wer freundlich winkt und „Thank you!“ ruft, bekommt erstaunlich oft den besseren Wurf. Für die Fortbewegung gilt: Gerade in den letzten Tagen sind Straßen gesperrt, daher lieber zu Fuß, per Straßenbahn oder mit vorgeplanten Treffpunkten. Und nicht vergessen: Um Mitternacht am Fat Tuesday ist Schluss: Am nächsten Morgen beginnt in New Orleans spürbar ein neuer Abschnitt.
