Spektakuläres Panorama: Die Pioneer Road 40 von Lillooet nach Gold Bridge bietet fantastische Ausblicke auf den Carpenter Lake.

Spektakuläres Panorama: Die Pioneer Road 40 von Lillooet nach Gold Bridge bietet fantastische Ausblicke auf den Carpenter Lake.
Kanada auf eigene Faust entdecken, spontan anhalten und einfach dort bleiben, wo es am schönsten ist: Dafür steht das Open Roads Feeling. Mit dem Mietwagen oder Camper wird schon der Weg zum Erlebnis, mit endlosen Weiten, beeindruckenden Landschaften und unvergesslichen Begegnungen unterwegs.
Was die Cariboo Chilcotin Coast für einen solchen Roadtrip besonders macht, verrät uns Julia Gentsch, Travel Trade & Media Coordinator für die Region, im Interview. Mit persönlichen Lieblingsorten, Geheimtipps und Empfehlungen zeigt sie, wie vielfältig sich die Provinz auf vier Rädern entdecken lässt. Und weil Kanadas Straßen noch viele weitere Abenteuer bereithalten, führt uns ein zweites Interview in die Provinz Alberta. Auch dort dreht sich alles um die grenzenlose Freiheit, Kanada auf eigene Faust zu erkunden.
CANUSA: Welche Ecke der Cariboo Chilcotin Coast lieben Einheimische, die in keinem klassischen Reiseführer ganz oben steht?
Gentsch: Die Rainbow Range im Tweedsmuir South Provincial Park (der zusammen mit Tweedsmuir North den größten Provincial Park British Columbias bildet) ist außerhalb von Wanderkreisen noch immer ein echter Geheimtipp. Vulkangipfel, durchzogen von roten, ockerfarbenen und violetten Streifen, und an den Aussichtspunkten keine Menschenmassen, denn hierher gelangt man nur zu Fuß. Etwas gemütlicher: die Hoodoos des Pinnacles Provincial Parks, die direkt oberhalb des Fraser River bei Quesnel aufragen und sich als kurzer Abstecher vom Highway 97 auf einem Roadtrip durch British Columbia anbieten. Unsere schönsten Ecken sprechen sich von Mund zu Mund herum, nicht über Reiseführer – fragen Sie uns einfach, wir teilen sie gern.
CANUSA: Was überrascht Erstbesucher fast immer, obwohl man es vorher hätte wissen können?
Gentsch: Die Größe – jedes einzelne Mal. Besucher studieren die Karte und können es trotzdem kaum glauben: Die Cariboo Chilcotin Coast Region ist etwa ein Drittel so groß wie Deutschland, und doch leben hier weniger Menschen als in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Allein der Highway 20 ist rund 450 km lang – etwa die Strecke von Frankfurt nach Hamburg. Für einen Roadtrip heißt das: Planen Sie mehr Zeit ein, als die Karte vermuten lässt. Man kann eine Stunde lang über eine Schotterstraße durch Ranchland fahren und begegnet kaum einem anderen Fahrzeug. Die zweite Überraschung: Wir haben eine echte Küste – mit Fjorden und einem Regenwald voller Grizzlys, erreichbar über eine legendäre Passstraße (das Highlight jeder Selbstfahrerreise) mit der saisonalen Fähre oder per Kurzflug ab Vancouver. Die dritte ist die Stille. Gäste erzählen mir, dass die Ruhe in der ersten Nacht beinahe laut klingt.

So weit das Auge reicht: Aus dem Wasserflugzeug wird die beeindruckende Weite der Landschaft erst richtig deutlich.

CANUSA: Welche Jahreszeit zeigt die Cariboo Chilcotin Coast von ihrer schönsten Seite – und was sollte man dann auf keinen Fall verpassen?
Gentsch: September, keine Frage! Der Herbst ist ohnehin meine liebste Jahreszeit. Die Espen leuchten golden, die Mücken sind verschwunden, und die Temperaturen sind perfekt, um die Gegend auf einem Roadtrip mit dem Mietwagen oder auf einem Ausritt zu entdecken. Die Cariboo Chilcotin Coast Region aus der Reiterperspektive zu sehen, im entspannten Tempo – das wünsche ich jedem von Herzen. An der Küste füllen sich die Flüsse mit Lachsen, und Grizzlybären versammeln sich zum Fischen. Mit etwas Glück zeigen sich auch Wale, Delfine und andere Meeresbewohner. Das ist unser Wildtiererlebnis schlechthin, am besten gemeinsam mit einem lokalen Guide.
Ist der Juli Ihr Monat, planen Sie rund um die Williams Lake Stampede – ein echtes Rodeo, um das die ganze Stadt ihr Jahr plant. Noch ein ehrlicher Tipp für Ihre Planung: Das volle Living-History-Programm in Barkerville, wo die Goldgräberzeit zum Leben erwacht, läuft bis Ende September. Für die historischen Straßen reisen Sie also am besten früh in der Saison an, für Bären, Elche und Herbstfarben eher später. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Zauber, von Frühlingsausflügen durch saftig grüne Landschaften über Sommerbäder in türkisfarbenen Seen bis zu gemütlichen Winterhütten. Dennoch, im Herbst strahlt die Cariboo Chilcotin Coast Region für mich am hellsten.
CANUSA: Vervollständigen Sie den Satz: Wer einmal hier war, kommt zurück, weil …
Gentsch: … ein Stück Herz hier bleibt und es einen immer wieder zurückzieht. Der Himmel wirkt hier größer: tagsüber offene Horizonte, die keine Skyline unterbricht, und nachts ein Sternenhimmel, so voll, dass sich die Milchstraße von einem Horizont zum anderen spannt. Wenn Sie in Mitteleuropa leben, stellen Sie sich eine Nacht ohne Straßenlaternen und ohne Stadtlicht vor – nur Sterne. Das Tempo ist langsamer, die Menschen sind warm und offenherzig, und jeder reist mit offenen Wünschen wieder ab: der Fluss, an dem man nicht geangelt hat, das Tal, das man nicht erwandert hat, der Bär, den man zwanzig Minuten lang beobachtet hat und von dem man bis heute schwärmt. Auf einer Selbstfahrerreise durch die Cariboo Chilcotin Coast Region bestimmen Sie Ihren eigenen Rhythmus, halten an, wo immer ein Ausblick Sie ruft, und biegen in jede Nebenstraße ein, die Ihre Neugier weckt. Unsere Lodges und Gästeranches leben von Stammgästen, denn hier kommen Fremde an und Freunde reisen ab. Fragen Sie jeden, der schon zweimal da war – er plant längst die dritte Reise.

Rodeo-Highlight: Die Williams Lake Stampede begeistert mit Cowboys, Pferden und jeder Menge Wildwest-Atmosphäre.
CANUSA: Welchen spannenden Fakt über Ihre Region kann ich beim Barabend droppen, um wie ein Einheimischer zu wirken?
Gentsch: Fangen Sie bei den Wildpferden an. Die Chilcotin Region ist die Heimat frei lebender Wildpferde, die von der Tŝilhqot'in First Nation mit großem Nachdruck geschützt werden – echte Wildpferde in der offenen Weite. Und wenn Sie wirklich punkten wollen: der Bella Coola „Hill“! Auf diesem Abschnitt des Highway 20 windet sich die Schotterstraße mit bis zu 19 Prozent Gefälle ins Tal, eine der steilsten öffentlichen Straßen des ganzen Landes. Für Selbstfahrer auf einem Roadtrip nach Bella Coola ist sie das Abenteuer schlechthin.
CANUSA: Was sollten Reisende lieber sein lassen?
Gentsch: Drei Dinge. Unterschätzen Sie keine Entfernungen: Der Weg ist hier das Ziel – planen Sie also auf Ihrem Roadtrip zwei Highlights pro Tag, lassen Sie den Rest offen und tanken Sie, wann immer Sie können. Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Handy: Laden Sie Offline-Karten herunter und haben Sie eine altmodische Straßenkarte dabei, denn die Mobilfunkabdeckung ist in manchen Gebieten eingeschränkt, und die nächsten Tankstellen oder Läden können weit auseinanderliegen. Prüfen Sie bei einem Mietwagen vorab, ob die Mietbedingungen Schotterstraßen erlauben. Bitte denken Sie außerdem daran: Ein Großteil dieses Landes ist das traditionelle Territorium der dort lebenden First Nations. Klären Sie deshalb bitte vorab, ob Sie eine Erlaubnis oder Zugangsgenehmigung brauchen, bevor Sie abseits der Hauptrouten unterwegs sind, und buchen Sie für Wildtier-, Angel- oder Backcountry-Tage einen lokalen Guide. Guides wissen, wo die Tiere sind, und öffnen Türen, die Sie allein nie finden würden.

Tradition in Bewegung: Beim Powwow in Williams Lake stehen Tänze der First Nation im Mittelpunkt.
Teaser Slider automatisch, XL. Muss: Region Darf nicht: Hotels, Hotels/Unterkünfte, Fluggesellschaft, Wohnmobilbvermieter. Max. 12, I'm feeling lucky-Sortierung
CANUSA: Gibt es einen bestimmten Geruch, ein Geräusch oder eine Stimmung, die Sie sofort an Ihren Ort denken lässt?
Gentsch: Der Duft von Salbei-Beifuß, sobald der Regen die Hochebene erreicht: trocken, süßlich und unverwechselbar, wenn man ihn einmal kennt. Der Klang? Wind, der durch Espenblätter streicht, und Eistaucher, die in der Abenddämmerung über einen See rufen. Auf der Bella-Coola-Seite sind es Salz, Zedern und Raben, die sich über dem Fjord unterhalten. Könnte ich einen einzigen Moment in eine Flasche füllen, wäre es der Morgenkaffee auf der Ranch-Veranda, bevor sonst jemand wach ist. Genau dann stellt sich die Cariboo Chilcotin Coast Region voller Vielfalt und Herzenswärme vor.
CANUSA: Welcher Ort ist perfekt für eine kurze Pause, wenn man dem Trubel kurz entkommen möchte?
Gentsch: Wenn Sie nur irgendwie können, planen Sie die Spirit Bear Lodge in Klemtu ein: ein absolut einmaliges und unvergessliches Erlebnis. Sie ist im Besitz der Kitasoo Xai’xais First Nation und wird auch von ihr geführt, mitten im Great Bear Rainforest. Die letzte Etappe legen Sie mit dem Flugzeug und dem Boot zurück, und genau das macht diesen Ort zu einer ganz besonderen Ergänzung Ihrer Cariboo-Chilcotin-Coast-Reise. Offenherzige lokale Guides teilen Wildtierbeobachtungen, Erzählungen und Kultur mit Gastfreundschaft, Respekt und Stolz, und man wird so herzlich aufgenommen, als gehöre man längst dazu.
Wer lieber näher an der Straße bleibt, für den ist die Terra Nostra Guest Ranch in Kleena Kleene an der Route des Highway 20 eine wunderbare Alternative: Der herzliche Empfang lässt einen sofort zur Familie gehören, eine Vielzahl an Aktivitäten und authentischen Abenteuern warten auf Sie und eine warme Sauna lässt einen kühlen Abenteuertag wohltuend ausklingen. Die Echo Valley Ranch & Spa in Jesmond bei Clinton, ein idealer Zwischenstopp auf dem Cariboo Gold Rush Trail, ist ein weiteres Juwel – mit fantastischen Aktivitäten und Spa-Behandlungen, um nach einem Tag hinter dem Steuer richtig abzuschalten.

Entschleunigung pur: Mit dem Pferd entlang des Gold Rush Trails
CANUSA: Machen wir einen Gepäck-Check: Was ist die eine Sache, die jeder Gast vergisst einzupacken, obwohl sie hier absolut unverzichtbar ist?
Gentsch: Das Wichtigste sind Kleidungsschichten im Zwiebelprinzip, denn das Wetter kann schnell umschlagen. Dazu empfehle ich eine Stirnlampe, ein Multitool (Leatherman oder Schweizer Taschenmesser) und ein Fernglas. Für eine Selbstfahrerreise gehört eine Straßenkarte ins Gepäck – oder eine Offline-Karte auf dem Handy, denn die Mobilfunkabdeckung ist in manchen Gebieten eingeschränkt. Wer dort unterwegs ist, wo Versorgungsstellen weit auseinanderliegen, ist mit einer Kühlbox voller Snacks und Wasser ebenfalls gut beraten. Außerdem sollten Sie ein Tagebuch einpacken, denn so können Sie all Ihre Erlebnisse, Abenteuer, Wildtiere und besonderen Begegnungen festhalten und immer wieder in Erinnerungen schwelgen.
CANUSA: Wann ist der beste Zeitpunkt am Tag, um die Cariboo Chilcotin Coast wirklich zu erleben – früh morgens, mittags oder spät abends?
Gentsch: Früh am Morgen, ohne Frage. Die Tierwelt erwacht, die Seen liegen still wie ein Spiegel, in dem sich die atemberaubende Landschaft ringsum zeigt. Die endlose Schönheit nimmt einen gefangen, und die klare Morgenluft erfüllt einen mit Vorfreude auf den neuen Tag. Dann ist das „Raum zum Atmen“-Gefühl der Cariboo Chilcotin Coast Region am stärksten, und vielleicht haben Sie die Straße fast ganz für sich allein. Still mit einem warmen Tee oder Kaffee dazustehen und zuzusehen, wie der Tag beginnt, ist ein Moment, den ich sehr schätze. Wildtiere sind in der Dämmerung – morgens wie abends – oft in Straßennähe aktiv, also fahren Sie bitte vorsichtig.

Besondere Begegnung: Eine Bärenfamilie ist definitiv einen Eintrag ins Reisetagebuch wert.
Trickkiste für die Cariboo ChiLcotin Coast |
| Beste Reisezeit Juni bis September für Outdoor, Angeln und Paddeln. Im September färben sich die Wälder golden. Auch der Winter lohnt sich mit Schneeschuhwandern, Langlauf und Nordlichtern. |
| Typisches Tempo der Stadt/Region Entspannt und naturverbunden: kleine Ortschaften, weitläufige Ranches, Cowboykultur, Goldrausch-Geschichte und viel Platz für eigene Entdeckungen. |
| Gut zu wissen Einige abgelegene Gebiete sind nur eingeschränkt zugänglich. Informieren Sie sich vorab über Straßenverhältnisse (z. B. über DriveBC) und saisonale Öffnungszeiten und nutzen Sie in größeren Orten die Möglichkeiten zum Tanken. |
| Ideal für … Naturliebhaber, Reiter, Angler, Paddler, Roadtrip-Fans und Geschichtsinteressierte, die ursprüngliche Landschaften und kleine persönliche Unterkünfte schätzen. |
| Lage & Erreichbarkeit Im Westen British Columbias, zwischen dem Fraser River und der Pazifikküste, gut per Auto, Fähre oder Flug erreichbar. Die Region lässt sich beispielsweise über Williams Lake, 100 Mile House und Quesnel oder Bella Coola erkunden. |
